Das County Tipperary im Süden Irlands beherbergt einige wirklich schöne Plätze. Nach meinen durchwachsenen Erfahrungen mit dem in der dortigen Gegend stark gehypten Ballykisteen GC wende ich mich heute dem eher bodenständigen Golfclub in Cahir zu.
Cahir ist ein reizendes Städtchen am Fluß Suir. Neben dem sehenswerten Cahir Castle aus dem 12. Jahrhundert und dem Swiss Cottage interessiert den reisenden Golfer vor allem der in unmittelbarer Nähe zu den gut erhaltenen Ruinen gelegene Golfplatz. Auf dem Parkarreal eines alten Anwesens errichteten Golfenthusiasten um 1960 zunächst einen 9-Loch-Course (die heutigen front 9), der dann im Laufe der 90er Jahre um weitere 9 Bahnen auf einen anständigen 18-Loch Platz mit 6370 yards Länge erweitert wurde.
Diese Platzentwicklung bemerkt unser reisender Golfer mit dem Übergang von den front 9 auf die back 9 sofort: Der course entwickelt sich schlagartig von einer beeindruckenden Parkland-Architektonik mit sehr altem Baumbestand und beinah nostalgisch wirkendem Ambiente hin zu einem deutlich weniger attraktiven "Autobahn"-Design: Die Fairways gehen schlicht geradeaus, und nur zwei Dinge verhindern die rasch um sich greifende Langeweile: Zum einen der starke Wind, der stets im Spiel ist, und die clevere Einbindung von schlecht auszurechnenden Wasserhindernissen in das course-shaping. Vor allem die Löcher 13 und 14 verlaufen direkt neben dem Fluß Suir, so dass es wenig ratsam ist, hier auf den Slice zu verfallen; der Ball ist definitiv weg.
Die Eintönigkeit der Bahnen 10-15 nehme ich allerdings gerne in Kauf, denn die front 9 sind dafür absolut sensationell. Die Optik des teilweise uralten Baumbestands ist wirklich überwältigend; zudem sind die weit ausladenden Äste echte Herausforderungen für einen ordentlichen Ballflug. Da aber liegt auch das Problem:
Mit meinem leichten fade wird es an manchen Löchern, bedingt durch die breiten Wipfel, immer sehr eng. Das bekam ich an den Bahnen 2 und 6 zu spüren, als ich mit den Ästen in Berührung geriet und schließlich, im Unterholz herumkratzend, noch ordentlich Meter machen mußte, um kein doublebogey zu kassieren.
Das Loch 6 (PAR 5) ist ohnehin tückisch, da es in einer Linkskurve steil bergauf geht und das Fairway von dichtem Wald eingerahmt wird. Hier war es nur einem glücklich gepunchten Eisen 5 aus dem Wald und einem gelochten 10m-Putt zu danken, dass ich noch das bogey spielen konnte.
Bahn 7 ist ein anderes gefährliches Loch (PAR 4, 411m), an das ich nur ungute Erinnerungen hatte, denn die Bahn ist derart eng von Bäumen umsäumt, dass nur ein gerades Eisen den Ball in spielbare Lagen transportiert; außerdem fällt die Spielbahn auch noch nach rechts stark ab und endet im Rough-Nirwana. Da habe ich schon manches Mal drin gelegen und mußte übel heraushacken. Jetzt aber machte ich keine Kompromisse, ließ endlich den Driver stecken und legte den Ball mit einem langen Eisen Mitte Fairway ab. Ein weiteres langes Eisen "off the deck" brachte den Ball an den Grünrand, ein Chip, ein Putt. So kann das gerne immer gehen, aber man weiß ja, wie das läuft...
Loch 8 ist, neben der 16. Bahn, ein echtes signature-hole, denn es geht schnurstracks über den River Suir. Das Tückische an dieser Bahn ist jedoch, dass der Fluß nicht das eigentliche Hindernis darstellt, sondern das vom Abschlag kaum sichtbare seitliche Wasserhindernis rechts in Höhe der Landezone. Der kleinste Slice bringt Verderben; schon ist der Ball auf Nimmerwiedersehen im Schilf verschwunden. Spätestens dann realisiert der Spieler, dass er einem Irrtum aufgesessen war, als er alle Aufmerksamkeit dem Fluß gewidmet hatte. Dieser kommt aber bei einem vernünftigen Schlag (carry 180 yards) tatsächlich nie wirklich ins Spiel. Nach meinem gelungenen Drive konnte ich aus dem dogleg mit einem Eisen 7-Sonntagsschlag neben die Fahne ablegen, aber den birdie-Putt nicht verwerten.
Loch 16 ist ein 80 yards kurzes PAR-3, das der geneigte Golfer sofort unterschätzt. Wieder muß über den Fluß (in dem übrigens sehr oft Fliegenfischer in Wathosen stehen, stellenweise genau im Flugbereich des Balles!) auf ein terrassiertes Grün geschlagen werden. Im Grunde, so denkt man, kein Problem. Aber hinter und neben dem sehr kleinen green lauern Schilf, extra kurzgestutzte Hecken und zwei Potbunker, in denen man kaum stehen kann: Alles Hindernisse, die von der tee-box tatsächlich bestenfalls nur zu erahnen sind. Allein die unterholzgesättigte Baumgruppe rechts vom Grün wird als einziges Hindernis bemerkt – ein Riesenfehler.
Ich kann hier nur raten, den Lob über den River Suir schnell zum Halten zu bringen, sonst ist es aus. Mein Mitspieler, selbst Clubmitglied, machte mich zwar auf die Tücken dieses Loches anekdotenreich aufmerksam, landete aber selbst so unglücklich im Potbunker, dass sein Explosionsschlag im Fluß landete und er Doppelpar notieren mußte.
Zurück im Clubhaus erwartet den reisenden Golfer eine ungemein freundliche und vor allem unprätentiös-lockere Atmosphäre, was auf den Inseln gemeinhin der Normalfall ist. Schnell ist man in Gespräche verwickelt, und der reisende Golfer findet sich dann mitunter urplötzlich als Teilnehmer in einem zünftigen Lochwettspiel bei Starkregen am nächsten Morgen wieder...
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(c) Fred
Böhle-Holzapfel