Die Info-Broschüre des Ballykisteen Golfclubs im County Tipperary teilt dem geneigten Leser Imposantes mit:
"This Des Smyth designed championship course is destined to become one of the most sought after golf courses in
Ireland. Nestled in the heart of the Golden Vale, its clever design and suitability to all handicaps make it an ideal venue for any golf outing. Set in tree-scaped surroundings against a backdrop
of the Galtee Mountains, the course is constructed to the highest of standards typified by the superb quality of the putting surfaces. Smyth himself puts forward the 15th as one of the signature
holes at Ballykisteen - 'probably the most difficult in the country; 230 yards from the back elevated tee to a green surrounded by water on three sides and out of bounds on the left, nothing but
a perfect golf shot will do.' This course provides a highly enjoyable and fair challenge in a perfect golfing ambience."
Nun, im Grunde wäre dem nichts mehr hinzuzufügen. Wenn der sportliche Golfer diesen Platz nicht kennt, würde er ihn nach dieser beeindruckenden Werbung wohl auf seine Irland-Wunschliste setzen. Doch gemach, gemach. Ich hatte den Ballykisteen-Course schon vor drei Jahren gespielt, zu einem Zeitpunkt, als das Clubhaus noch in einem Bauwagen beherbergt war. Von dem mondänen Hotel, das heute mit eleganter Optik den eher bodenständigen Golfer zunächst abschrecken mag, ragten damals nur die ersten Gerüste in den bleigrauen Sturmhimmel.
Tja, und nach der Runde war ich enttäuscht. Ich hatte nicht gut gespielt, ok. Dennoch: Mir erschienen die Fairways zumeist wie Landepisten für Großraumtransporter, und die PAR-3 – Löcher (mit einer Ausnahme) als sterbenslangweilig. Obwohl der Platz in unmittelbarer Nähe zu unserer Behausung liegt und wir regelmäßig in Irland weilen, habe ich trotzdem den course in der folgenden Zeit nicht wieder spielen wollen. Doch dieses Jahr sollte ein Ende der Abstinenz gemacht werden; ich mochte dem Platz eine zweite Chance geben.
Der erste Versuch ging gleich vollends baden. Im apokalyptischen Sturzregen gingen fairways, greens und wir buchstäblich unter. Nach 4 Bahnen war Schluß, absolut Schluß. Bäche auf den Fairways, eingesackte Bunkerränder und Seen auf den greens gaben unmissverständliche Signale zum Aufbruch. Im Pro-Shop gab man uns anstandslos Greenfee-Voucher.
Zwei Tage später klappte der zweite Versuch, dieses Mal sogar über ganze 18 Loch. Und mein Resümee, nach drei Jahren "Pause"?
Klar, ein langer course, der sich noch mehr zieht, wenn die Fairways wie jetzt vom tagelangen Regen noch sumpfig sind
und daher faktisch nur carry-Längen zulassen.
Umso erstaunlicher aber die Qualität vor allem der greens, die trotz der äußerst widrigen Wetterumstände in tadellosem Zustand waren, spurtreu und trotz der Feuchtigkeit sehr schnell. Überall
wuselten die greenkeeper mit erheblichem Materialeinsatz, und der Platz zeigte sich, angesichts der Umstände, in einer wirklich beeindruckenden Verfassung.
Trotz einer für meine Verhältnisse anständigen Runde bestätigte sich leider mein Eindruck, den ich schon vor drei
Jahren gewonnen hatte:
Zu viele Bahnen geradeaus, zu wenig Abwechslung in der Platzarchitektonik, zu wenig Überraschungsmomente bei der Fairwaygestaltung. Ausdrücklich ausnehmen möchte ich die greens, die von Bächen,
Tümpeln und Buschwerk clever umrahmt sind und mit bösen slopes Dreiputts geradezu heraufbeschwören. Ein signature-hole ist gewiß Bahn 7 mit seinem herrlichen Halbinsel-Grün und dem gemein ins
Fairway ragenden Wasserhindernis', das man vom tee nicht einschätzen kann.
15th. Hole (Photo by: ballykisteengolfclub.com)
Loch 15, ein PAR-3, wird in der Werbung besonders hervorgehoben, und in der Tat verursacht der Blick hinunter auf das von Wasser geschützte green ein gewisses Magendrücken. 230 yards sind wahrhaftig kein Pappenstiel. In dem Moment, wenn der Ball die durch Bäume eingerahmte tee-box verlässt, wird er Opfer des andauernden Seitenwindes und gerät nicht selten in undurchdringliches Schilf, wenn er vom Grün herunterrollt…
Also: Pflegezustand super, aber zu wenige Bahnen mit "Charakter". Angesichts der direkten Top-Konkurrenz in unmittelbarer Umgebung (Dundrum GC, Tipperary GC) vielleicht ein bißchen zu mau.
(c) Fred Böhle-Holzapfel