Grün auf Loch 11
Der zweite von mir favorisierte Golfplatz in Bournemouth ist der Queens Park Golfclub, den ich heute ein wenig beleuchten werde. Der Golfplatz ist über 100 Jahre alt und damit einer der ältesten public courses in England. Shaun, der Headpro, erzählte mir stolz, dass vor 20 Jahren regelmäßig Asse wie Seve und Tony Jacklin hier aufgeteet haben.
Na denn. Die scorecard mitgenommen, birdiebook aufgeschlagen und los gehts...
Wie im Meyrick Park, so auch hier: 6090 yards von den championship-tees bei Par 71 scheinen auf den ersten Blick machbar, denn die ersten drei Löcher sind bestens geeignet, den auf Heldentaten hoffenden Gastgolfer einzulullen.
Loch 1 wird einfach nur geradeaus gespielt, kein Vergleich mit der 244 yards Par 3 - Schweinerei im Meyrick Park, wo ein bogey ein Topscore ist. Nein, hier kann geballert werden, was das Zeug hält. Hinter der Senke bei 230 yards ist der Blick auf das von Kiefern umrahmte Grün frei. Man zückt das wedge und hat eine wirklich gute Chance auf ein Par.
Loch Nr. 2 ist dann der erste Knaller. Von rund 60 yards Höhe wird ein 125m entferntes, tief unterhalb liegendes Grün angespielt. Da nach dem Eröffnungspar unser Gastspieler in Heldenlaune ist, gelingt ihm mit einem scharfen Eisen 9 der Treffer Mitte Grün.
Ein zweites Par notiert, stolziert er nun zum dritten Loch, einem kurzen Par 4. Wegen des tückischen, bei 240 yards genau in der Drivelandezone liegenden und kaum sichtbaren Potbunkers, der eine "Hauptsache raus!"-Spielcharakteristik erfordert, wird es leider nur ein bogey; aber immerhin.
Mit dem vierten Loch zeigt dann der Platz allmählich seine Zähne. Das Par 4 mit 349 yards offenbart uns ein stark verengtes Fairway und ein sehr hoch angelegtes Grün. Wer hier ein bogey spielt, kann sich nicht beschweren.
Kurz durchatmen, dann in den Kiefernwald, wo der Blick vom Abschlag uns deutlich signalisiert, dass nun ein erster wirklicher Tester bevorsteht. Vom hochgelegten Abschlag dieses 492 yards langen Par 5 muß der Ball carry 200 yards über eine weite Senke gespielt werden, um dann auf einem engen, buckligen, stark ansteigenden Fairway zu landen. Liegt der Ball einigermaßen, was angesichts des drohenden Kiefernwaldes rechts und links kein Pappenstiel ist (denn dort findet man den Ball definitiv nicht wieder!), wird unser Gastspieler nicht nur mit dem steilen Fairwayverlauf konfrontiert.
Er steht auch in aller Regel entweder unter oder über dem Ball.
Das Grün ist nicht zu sehen. Das Holz, mit dem wir schon geliebäugelt hatten, lassen wir besser stecken und üben uns in Demut. Die bessere Wahl wäre ein Eisen 6. Erst nach dem zweiten Schlag sehen wir dann, was uns noch blüht. Das Grün ist wieder auf Plateauhöhe und sehr slopey. Rechts droht das Aus, links fieses rough. Treffen wir aber mit einem schlecht dosierten kleinen Eisen das Grün unsauber (und das kann aufgrund des buckligen Fairway-shaping gerne passieren), rollt der Ball hinten runter in die Dornbüsche...
Der geneigte Leser merkt, der Platz zeigt jetzt sein wahres Gesicht. Der Platz ist schwer, weil er sehr hügelig
angelegt ist. Kluges, defensives Spiel wird erfordert. Und wer hier bogey-Golf spielt, darf sich nicht beklagen. Wer nicht über intime Platzkenntnis verfügt, sollte besser beim gepflegten
Eisengolf bleiben. Genau diese Lehre hatte ich auf meiner ersten Runde aber nicht beherzigt und sollte daraufhin eine echte Lektion in Demut erhalten. Über meinen damaligen score lege
ich lieber den Mantel des Schweigens. Ich glaube, es ist beredter, wenn ich gestehe, dass meine beste Runde eine 93 gewesen war.
(c) Fred Böhle-Holzapfel