Sonntag, 26. oktober 2008 7 26 /10 /2008 21:07
In Dorset, im angenehmen Süden Englands, liegen die beiden sehr schönen public courses Meyrick Park und Queens Park GC mitten im Stadtgebiet von Bournemouth. Beide sind einen Steinwurf voneinander entfernt und besitzen eine ähnliche Platzcharakteristik. Sandboden, hoher Kiefernwaldbestand, gefährliche Ginsterflächen und allgegenwärtige dog-walkers, besonders in den späten Nachmittagsstunden, prägen die beiden ca. 5600 yards langen Plätze. Und wer jetzt denkt, na ja, bei der geringen Länge der courses haue ich ein paar drives raus und zücke dann ganz locker einen wedge, der wird sich schneller im Unterholz wiederfinden, als ihm lieb sein kann.

Als erstes ein paar Bemerkungen zum Meyrick Park Golfclub.

Mitten in Bournemouth gelegen beeindruckt der über 100 Jahre alte, relativ kurze Golfplatz (5540 yards bei Par 69) durch abwechslungsreiche Bahnen inmitten eines hochgewachsenen Kiefer- und Laubwaldbestandes. Breite Ginsterflächen laden fehlgeleitete Bälle zum Überwintern ein, und der sandige Boden verträgt durch seine natürlichen Drainage-Eigenschaften auch heftigere Regenfälle. Auf den ersten Blick durch scheinbar weite Landeflächen fehlerverzeihend wirkend, habe ich auf dem schönen Platz anfänglich den bounce nicht mitberechnet, den trockene Sandböden flach auftreffenden Bällen mitgeben können. Meine beiden englischen Mitspieler, ältere Clubmitglieder, die wirklich über jedes inch des Platzes Lustiges und Haarsträubendes zu berichten wussten, bewahrten mich auf meiner ersten Runde durch ihre Platzkenntnisse mehr als einmal vor gefährlicher Überheblichkeit, nachdem ich nach vier Löchern schon zähneknirschend zwei Bälle unwiederbringlich im Kiefernwald verloren geben mußte. Demütig zückte ich daraufhin ein langes Eisen und spielte von da ab klügeres (Eisen-)Golf. Zufrieden konnte ich mir daraufhin noch eine gut gefühlte 87 notieren.

Keine Frage, neben dem Eröffnungsloch, einem 244 yards langen Par-3, das dem nicht aufgewärmten Golfer direkt zu Beginn der Runde die Höchstleistung abverlangt, ein kleines und durch Bodenwellen umrahmtes Grün über eine gewaltige Senke anzuspielen, ist das spektakuläre Loch 14 das sog. "signature-hole" im Meyrick Park.

(Blick vom Abschlag auf die 14. Bahn; (c) Fred Böhle-Holzapfel)

Für Peter Aliss, den legendären englischen RyderCupper und Golfkommentator, ist dieses Loch eines der schönsten Bahnen in England überhaupt: Ein mit knapp 460 yards verdächtig kurz bemessenes Par-5 erfordert von der erhöht liegenden tee-box einen guten drive mit einem sanften fade, der unbedingt vor dem mitten im Fairway eingebetteten Bunker landen sollte. Nicht nur, dass die Landezone dahinter verdammt eng wird, auch die in das Fairway hineinragenden Äste der sehr hochgewachsenen Laubbäume würden dann den zweiten Schlag zum lay-up unnötig erschweren. Natürlich kann der geneigte Gastspieler auch nach einem gelungenen drive das green direkt angreifen - ein kleines dogleg nach links würde einen draw mit dem Holz erfordern - aber, wie schon gesagt: Demut, gemischt mit Klugheit, ist auf diesem Platz ein hohes Gut. Während meiner zweiten Runde habe ich dann trotz aller Warnmeldungen meines Verstandes denselben ausgeschaltet und den Frontalangriff versucht. Einem konsequenten und sehr gut platzierten tee-shot mit einem Eisen 2 ließ mich nämlich jede weitere Vorsicht vergessen. Der zweite Schlag sollte nun aufs Grün! Ich entschied mich also für den direkten Weg hoch über die weitausladenden Zweige; meine Wahl fiel auf ein Holz 5. 
Das war sehr dumm. 
Hätte ich den draw im Repertoire, wäre ein gutes Ergebnis im Bereich des Möglichen gewesen. Doch nein, ein tieffrequentes, holziges "Plock" bedeutete mir, dass ich alle Mühe haben würde, überhaupt meinen Ball zu finden, der sich hörbar ins Dunkel des Laubwaldes verabschiedet hatte. Ich beendete das Loch erstaunlicherweise noch mit doublebogey und war damit über Gebühr gut bedient.

Meine Lieblingsbahn im Meyrick Park ist aber die Bahn 8, ein 185 yards langes Par 3 mit einem schmalen Plateau-Grün, das definitiv carry und vor allem gerade angespielt werden sollte - der Weg zum Grün führt über eine waste area; links und rechts des Grüns lauert großes, stacheliges und undurchdringliches Buschwerk, in dem man lieber nicht liegen möchte.

(Blick auf das green von Bahn 8; (c) Fred Böhle-Holzapfel)
Da die tee-box etwas erhöht liegt, kann das Grün bei günstigem Wind durchaus erfolgversprechend mit einem scharfen 6er Eisen angespielt werden. Eine wunderbare Bahn!

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Platz, den ich immer wieder gerne spiele. Die mannigfachen Gefahren dieses Golfcourses erschließen sich zumeist erst dann, wenn es zu spät ist. Dann sucht man den Ball verzweifelt in riesigen Dornbüschen oder im Wald. Insofern ist ein birdiebook Pflichtlektüre, die nötige Portion Demut stellt sich von selbst ein. Garantiert! 

Da auf dem Clubgelände in einer Lodge auch die Möglichkeit komfortablen Übernachtens besteht (mit klassisch-englischem Frühstück und Blick auf den ersten Abschlag!), ist Meyrick Park bestens für ein langes Golfwochenende geeignet. Zu Fuß ist man innerhalb von zehn Minuten mitten in Bournemouth; mit dem obligaten Mietwagen sind nach rund 15 Minuten Fahrt auch andere städtische public courses erreichbar; mein Augenmerk habe ich besonders auf den Queens Park Golfclub gelegt. Doch zu diesem Platz später mehr.


(c) Fred Böhle-Holzapfel


 





von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfplätze Golf in Irland Golf in England
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