Samstag, 18. oktober 2008 6 18 /10 /2008 20:07
So, die Saison ist vorüber, und ich habe mich entschlossen, sozusagen als kathartischen Abschluß derselben, einige der Plätze vorzustellen, die ich im Laufe des Jahres gespielt habe. Ich muß gestehen, es sind keine deutschen Plätze dabei. Meinem Heimatcourse Schloß Miel werde ich zu gegebener Zeit eine etwas ausführlichere Würdigung angedeihen lassen; der Platz verdient es!

Gespielt habe ich Plätze vor allem in England und Irland. Aus familiären Gründen bin ich auf den Inseln häufiger anzutreffen, so daß ich es mir niemals nehmen lasse, so oft aufzuteen, wie ich es mit der Familie vereinbaren kann.

Worin unterscheidet sich denn das Golfspiel auf den Inseln vom Golfen hierzulande?

Wie wohl jeder weiß, ist das Golfspiel in Großbritannien und Irland schon sehr lange nicht mehr mit dem snobism verknüpft, der in weiten Teilen des Kontinents immer noch leider! das Image dieses schönsten aller  Spiele versaut.
Golf ist vielmehr Volkssport. Tageszeitungen berichten im Sportteil über Turniergolf ganz selbstverständlich in epischer Breite, Golf wird wöchentlich stundenlang im Fernsehen übertragen und prestigeträchtige Turniere wie der "Ryder-Cup" genießen den Rang einer Fußball-WM, was hierzulande bestenfalls eine Randnotiz erzeugt.

Es gibt bezahlbare und top gepflegte public courses wie Sand am Meer, und der populäre "quick 9-holer" nach Feierabend ist kein argwöhnisch beäugtes Feature sog. "Bessergestellter", sondern gesellige Normalität. Natürlich gibt es auch die von ehemaligen Profis architektonisch verantworteten Championship-Courses, die sich zumeist in Privatbesitz befinden und wo tournaments der Europeantour gastieren. Dort sind Greenfees fällig, die der Urlaubskasse den sofortigen Todesstoß versetzen.
Ansonsten regiert Understatement: Kleine, bescheiden gehaltene Clubhäuser und winzige Pro-Shops sind kein Indikator für uninteressante Plätze. Das Gegenteil ist meist der Fall. Die spielerisch interessantesten courses sind diejenigen, deren Güte man von außen nicht unbedingt einschätzen kann.
Und natürlich, da gibt es auch die traditionsreichen, alt-ehrwürdigen Plätze an den Küsten, sturmumtost, mit garstigem Dünengras, hüfthoch und stachelig, die dem verzärtelten deutschen Golfer zuweilen höchst ungewöhnliches Coursemanagement abverlangen. Es ist die Frage, ob die Orkanböen es ihm überhaupt gestatten,
das Gleichgewicht zu halten oder ob amtlicher Starkregen dem geschockten Gastspieler die unangenehme Assoziation zu prähistorischen Sintfluten beschert.
Nach meinem Dafürhalten stellen diese in die Dünen eingebetteten "linkscourses" die größte Herausforderung für den sportlichen Golfer dar. Liebgewonnene Automatismen wie die hierzulande höchst unkritische Nutzung des Drivers als Abschlagsgerät auch an kritischen Löchern sollten tunlichst unterbleiben. Den Driver wünscht sich der Linkscourse-Unkundige eh schon bald wieder in den Kofferraum des Autos zurück, wenn nach drei Löchern bereits vier Bälle vom Sturm auf Nimmerwiedersehen weggeweht worden sind.
Im Übrigen ist der sandige Untergrund nicht nur die beste Drainage bei Sauwetter, sondern auch idealer Untergrund für effektives Eisenspiel. Die Bälle werden clean and crisp getroffen, und auf den ondulierten Grüns laufen sie spurtreu.
Keine Frage: Linkskurse sind meine absoluten Lieblingsplätze.


Unaufgeregtheit im Spiel ist ein weiteres, aber sehr wichtiges Charakteristikum des Insel-Golfers. Bräsiges Herumhacken, unnötige Spielverzögerungen und endloses Suchen werden durch freundliche Course-Marshalls sofort geahndet, sind aber in aller Regel selten. Auch das berüchtigte "Durchspielenlassen", hierzulande alles andere als selbstverständlich, bereitet niemals Probleme und wird mit launigen Bemerkungen quittiert.

Probleme bereitet eher noch der dann bei diesen Gelegenheiten angebotene kräftige Schluck aus dem Flachmann.




(c) Fred Böhle-Holzapfel



von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfschläger Golfplätze
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