Ich spiele diesen course immer wieder sehr gerne, da er äußerst liebevoll gestaltet ist und, bedingt durch die aufopferungsvolle Pflege der Mitgliederfamilie (nur so kann man das wohl nennen) jedes Jahr neue, witzige Designelemente aufweist, die diesen recht kurzen Platz (nur 4846 yards bei Par 67) wirklich gefährlich machen.
Ok, beim Stichwort "kurzer Platz" klickt bei Longhittern natürlich sofort das entsprechende Relais um, der Blick ändert sich und auf der Stirn wird sich der Satz materialisieren:
ICH WERDE DIESEN PLATZ AUSEINANDERNEHMEN!
Nun, das kann gerne versucht werden, das Platzdesign garantiert aber böse Überraschungen.
Beispiele gefällig?
Loch 2 ist ein PAR 4 mit einer Länge von 260 yards. Breite Landezone, bergauf, keine sichtbaren Hindernisse, ein guter Drive und ein kleines wedge: Was kann dabei schon schiefgehen? So dachte ich auch. Am Ende ging ich mit einem Triple-Bogey geschockt vom green. Schuld war ein schlampiges Wedge, das ich leicht verzogen in ein kaum sichtbares Sandhindernis gehackt hatte.
Und schon war ich in die typische Slievenamon-Falle getappt: Extrem kleine und stark ondulierte, hoch terrassierte Grüns, die mit teilweise winzigen Potbunker-ähnlichen Sandhindernissen ringsum gespickt sind, mit derart steilen Kanten, dass es schwer ist, den Ball überhaupt heraus zu spielen, geschweige denn, ihn in angemessener Lage kontrolliert in Richtung Fahne zu bugsieren. Bekommt man den Ball schließlich wider Erwarten irgendwie heraus, wird er in den meisten Fällen Opfer des slopes der kleinen Grüns werden und sonstwohin laufen, gerne übrigens auch in den gegenüberliegenden Potbunker. Da hört dann der Spaß auf, und die nächsten Löcher geht man entschieden respektvoller an.
Oder Loch 11: Eingebettet in ein kleines, niedriges Wäldchen beschert uns der Blick von der tee-box in ca. 180 yards Entfernung die Ahnung einer sehr engen, von Bäumen und hohem Gestrüpp flankierten Fairway-Landezone.
Loch 11/tee-box:::(c) Fred Böhle-Holzapfel
Der Schlag über die niedrigen Bäume mit einem Eisen 4 ist die Regel, aber gefährlich. Selbstverständlich ist der Wind stark im Spiel. Ballkurven der schrägen Art sollte man tunlichst vermeiden. Spielt man aber zu kurz, gibt es keine Chance, das green anzuspielen; die Bäume verriegeln Blick und Schlag. Mag der kurze Drive auch gut gewesen sein, so scheint es doch, als läge man im Wald. Es gibt kein Entrinnen, der Hieb muß irgendwie über die Bäume.
Ein zu langer Drive bedeutet wiederum todsicher die Anwendung der Unspielbarkeitsregel. Und das green, wenn man zufällig die winzige Landezone erreicht hat? Nun ja, ich sagte es bereits, klein und slopey...
In dieser Art sind etliche Löcher angeordnet: Entweder verhindern Platzregeln das Überspielen von 90°- doglegs, so dass ein präzis getimtes Eisenspiel erwartet wird, oder es lauern nach 200 yards von der tee-box frontale Wasserhindernisse mit hohem Gebüsch auf alle Drives, die häufig in dieser Distanz schon in den Sinkflug übergehen, sich dann sofort in den Wipfeln verfangen und unauffindbar in den Morast eintauchen. Ungläubig nimmt der geneigte Spieler auch die unmittelbar an die Grüns flankierenden Ausgrenzen zur Kenntnis. Spätestens jetzt sollte man einen Gedanken ans Course-Management verschwenden.
Loch 10; Blick aufs green. [(c)
Böhle-Holzapfel]Aber ich will den Platz nicht schwieriger schreiben, als er ist. Denn natürlich gibt es auch die Löcher, wo der reisende Golfer es ordentlich krachen lassen kann. Manche Par-4-Löcher sind durchschnittlich 260 yards lang, verlaufen recht gerade, breit und abschüssig, und ich versuche immer, bei Rückenwind und hartem Fairway so nahe ans green zu kommen, dass nur noch ein chip reicht. Mit ein wenig roll und keinen Gedanken an die Potbunker kann das hin und wieder klappen. Sehr gut.
Was soll ich sagen? Irons required, sagte mir bei meinem ersten Besuch ein Mitglied verschmitzt und zwinkerte mit den Augen. Er hatte Recht. Ich liebe diesen Platz, weil er eben mit Eisen so gut zu bespielen ist. Die cleveren Hindernisse erfordern wirklich ein strategisches Spiel.
Nach der Runde kann ich nur das familiäre Clubhaus empfehlen. Der freundliche Empfang und die Zwanglosigkeit Greenfee-Spielern gegenüber sucht ihresgleichen und ist, gerade für Spieler, die beschämende Erfahrungen in so manchen deutschen Clubs gemacht haben mögen, mehr als wohltuend.
Golf ist in Irland eben Breitensport und das im besten Sinne.
Die 15 Euro Greenfee für den 18-Loch-Course des Slievenamon GC sind jedenfalls ein echtes Schnäppchen; bei meinen jährlichen Besuchen in Irland steht der Platz auf meiner persönlichen Hitliste der spielenswerten Anlagen ganz oben.
(c) Fred Böhle-Holzapfel
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