Als regelmäßige Besucher im südlichen Bereich Irlands hatten wir schon etliche Plätze im County Tipperary und Limerick gespielt. Vom Platzshaping her gesehen gibt es da schon gewaltige Unterschiede, und ich spreche nicht von den Unterschieden zwischen den in den Dünen eingebetteten links-coursen und den im Inland liegenden Parklandplätzen. Jeder Golfer weiß, was ihn auf Linksplätzen erwartet: Eben völlig andere Spielbedingungen. Anderer Boden, grandioses natürliches Platzshaping, mitunter sehr heftiges Wetter, irrelevante Schlaglängen und verzweifelte Ballsucherei. Man muß eben wissen, auf was man sich bei diesen Spielwiesen einlässt.
Bei den Parklandplätzen interessiert mich neben dem Pflegezustand besonders die Architektur. Zu oft wirkt ein Parklandkurs wie die ideenlose Aneinanderreihung von lieblosen Spielbahnen. Einfach geradeaus, die obligaten Bunker in den Landzonen, ab und an ein bisschen Alibi-Wasser am green, ein paar Bäume links und rechts der Spielbahn und Grüns mit wenig slope-Ideen. Das war's. Und das alles verkauft man dann mit überteuertem Greenfee in deutschen Landen allzu gern als sensationellen Golfplatz, als unvergessliches Erlebnis auf einer der Natur angepassten Spielwiese. Die Realität ist aber bitter und bedeutet zumeist unvergeßliche Langeweile: Ein Fairway gleicht dem anderen. Spätestens nach neun Löchern ist man bereit einzupacken. Natürlich geht es auch anders, das ist klar. Wie, das zeigt beispielsweise mein Heimatplatz Schloß Miel.
Auch in Irland ist man gegen gepflegte golferische Parkland-Langeweile nicht gefeit, man schaue sich nur meinen Bericht über den Ballykisteen GC an. Aber, und das ist beruhigend: Immer wieder gibt es diese wunderbaren Überraschungen. Eine davon ist der Thurles GC, ein golferischer Leckerbissen (dessen Gründung in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte), direkt an der N8 zwischen Ortsausgang Thurles in Richtung Cashel im Südosten Irlands gelegen. In eigenen Worten verspricht die Website des Clubs:
"It is today a well-respected test of golf, host to national and provincial championships at many levels".
Wie oft bin ich daran vorbeigefahren und habe mir gesagt, den Platz solltest du dann doch auch einmal spielen! Dann, endlich, an einem halbwegs wettergünstigen Tag, war die Gelegenheit da. Wir begeben uns durch die blumengesäumte Zufahrt, werden freundlich empfangen, wandern zum ersten Abschlag und müssen dafür zunächst einmal durch einen engen, mit Wellblech ausgekleideten Tunnel schleichen. Ungewöhnlich, ungewöhnlich. Erwartungsfroh treten wir ins Licht und... finden uns mitten im wartenden Pulk von Teilnehmerinnen des Ladies Day wieder.
Oh je. Was für eine Buchungspanne! Ehe ich mich gottergeben in das Unvermeidliche einfinden kann, werden wir plötzlich lässig durchgewinkt. Oops! Da der Herrenabschlag rund 100 yards weiter hinten liegt, säumen jetzt rund 30 schaulustige Damen links und rechts die teebox. Nun ja. Aber der Drive mit meinem neuen Persimmon-Wood gelingt und wir sind urplötzlich im Spiel.
Was nach wenigen Löchern sofort auffällt: Keine Bahn ist wie die andere. Jedes Fairway verläuft in cleveren Windungen durch uralten Baumbestand. Die greens bieten pfeilschnelle Oberflächen und anspruchsvolle, aber nicht unfaire slopes. Der gesamte Pflegezustand ist atemberaubend gut, und die Platzarchitektur appelliert an etwas fortgeschritteneres Course-Management. Nur auf wenigen Bahnen wird überhaupt der Driver benötigt; bei gesunden Grundlängen genügen lange Eisen oder kleine Hölzer völlig und sind auch anzuraten, denn nach 250 yards warten dann wirklich böse Überraschungen auf den Drive: Versteckte Wasserhindernisse, in den Fairwayverlauf eingebettete Mauerreste oder extreme Tieflagen, die ein sauberes Spiel Richtung Grün fast unmöglich machen. Bilder dazu gibt es hier.
Es gibt natürlich einige "signature-holes" auf diesem schönen Platz:
Loch 3 ist ein PAR-3 mit nur 122 yards Länge, die aber über ein Frontalwasser carry auf ein kleines, tückisches Grün gespielt werden müssen. Die klassische Wahl zwischen Pitching-Wedge und sanftem Eisen 9 ist vom Designer McAllister gewiß eingeplant gewesen.
Tolle Optik auch am 4. Loch, wo sich, für einen Gastgolfer nicht einschätzbar, ein Bach durch die vermeintliche Landezone schlängelt. Selbst ein weiches 4er-Eisen könnte schon zu lang sein...
Mein Lieblingsloch auf den front 9 ist aber, allem bilderbuchhaften Baumbewuchs zum Trotz, die Bahn 9, ein neben dem Bach angelegtes, linkish onduliertes, enges, nein, sehr enges PAR-4 mit 365 yards Länge, was mich an meinen Heimatcourse erinnert. Ein volles Holz 3, flacher aufgeteet, bringt roll, Präzision und Länge. Nur das etwas dünn getroffene Eisen 8 vermasselt mir das Par, säuerlich schleiche ich mit bogey vom Grün.
Die ersten neun Löcher sind von den back 9 durch die eingangs erwähnte Hauptstrasse getrennt. Nach einer kurzen Suche weist man uns den Weg zum 10. Abschlag. Direkt vor vollbesetzter Clubhausterrasse. Oha. Kurz schlucken, sich sammeln und mit etwas Mumm das Holz 3 aufs Fairway knallen, so müßte es doch gehen... es klappt, und wir befinden uns in einem völlig anderen Golffilm:
Denn auf den back-9 finden sich, neben weitausladendem Baumbestand, überraschende Designelemente in Form von in den Verlauf der Bahnen integrierten alten Mauerresten, Brunnen und tiefen Grasmulden zwischen 220-240 yards, in denen der Ball natürlich stets verschwindet. Das schaut alles klasse und gediegen aus, hier war Inspiration am Werk. Ich bin sehr angetan!
Diesmal ist mein Favorit ein PAR-3: Bahn 11 mit 201 yards, die über eine steinerne Ruine carry bewältigt werden müssen. Ein gerades und sanft gespieltes Holz 5 hat den richtigen Mix aus Höhe und Länge, um diesen Job zu bewältigen.
Es macht Spaß, hier zu spielen. Gefährlich wird es nur auf der 18. Bahn, denn direkt links neben dem Fairway verläuft die Hauptstraße. Mir wird etwas mulmig, da mein "klassischer" Fehlschlag der leichte pull ist; eben "lang links"... Der hat mich zwar seit Längerem verschont, aber was ist, wenn der Drive gerade jetzt auf die Straße krachen sollte? Ich greife also zum Eisen 5 und schubse die Kugel einfach nur vorsichtige 170 yards gerade nach vorne.
Und sonst? Ein unprätentiöses staff im gepflegten Clubhaus, ein gut sortierter Proshop und anekdotenreiche Mitglieder auf dem Parkplatz runden einen gelungenen Golftag in einem bemerkenswerten Club ab.
Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!
(c) Fred Böhle-Holzapfel_2011
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen