Dienstag, 17. november 2009 2 17 /11 /2009 14:00
Unsere zweite Exkursion galt einem anderen alten Bekannten, nämlich dem Slievenamon GC, sehr unübersichtlich an der R 689 zwischen Fethard und Clonmel gelegen, aber mit atemberaubenden Fernblicken auf das Slievenamon-Bergmassiv. Design, Bau und Pflege des familiär geführten Clubs obliegt den Mitgliedern, und das merkt man an jedem inch auf dem Platz und mit jedem Besuch im Clubhaus, das wohltuenden "down earthy"-Charme atmet.
Ich spiele diesen course immer wieder sehr gerne, da er äußerst liebevoll gestaltet ist und, bedingt durch die aufopferungsvolle Pflege der Mitgliederfamilie (nur so kann man das wohl nennen) jedes Jahr neue, witzige Designelemente aufweist, die diesen recht kurzen Platz (nur 4846 yards bei Par 67) wirklich gefährlich machen.
Ok, beim Stichwort "kurzer Platz" klickt bei Longhittern natürlich sofort das entsprechende Relais um, der Blick ändert sich und auf der Stirn wird sich der Satz materialisieren:
ICH WERDE DIESEN PLATZ AUSEINANDERNEHMEN!
Nun, das kann gerne versucht werden, das Platzdesign garantiert aber böse Überraschungen.

Beispiele gefällig?

Loch 2 ist ein PAR 4 mit einer Länge von 260 yards. Breite Landezone, bergauf, keine sichtbaren Hindernisse, ein guter Drive und ein kleines wedge: Was kann dabei schon schiefgehen? So dachte ich auch. Am Ende ging ich mit einem Triple-Bogey geschockt vom green. Schuld war ein schlampiges Wedge, das ich leicht verzogen in ein kaum sichtbares Sandhindernis gehackt hatte.
Und schon war ich in die typische Slievenamon-Falle getappt: Extrem kleine und stark ondulierte, hoch terrassierte Grüns, die mit teilweise winzigen Potbunker-ähnlichen Sandhindernissen ringsum gespickt sind, mit derart steilen Kanten, dass es schwer ist, den Ball überhaupt heraus zu spielen, geschweige denn, ihn in angemessener Lage kontrolliert in Richtung Fahne zu bugsieren. Bekommt man den Ball schließlich wider Erwarten irgendwie heraus, wird er in den meisten Fällen Opfer des slopes der kleinen Grüns werden und sonstwohin laufen, gerne übrigens auch in den gegenüberliegenden Potbunker. Da hört dann der Spaß auf, und die nächsten Löcher geht man entschieden respektvoller an.

Oder Loch 11: Eingebettet in ein kleines, niedriges Wäldchen beschert uns der Blick von der tee-box in ca. 180 yards Entfernung die Ahnung einer sehr engen, von Bäumen und hohem Gestrüpp flankierten Fairway-Landezone.
 
Loch 11/tee-box:::(c) Fred Böhle-Holzapfel

Der Schlag über die niedrigen Bäume mit einem Eisen 4 ist die Regel, aber gefährlich. Selbstverständlich ist der Wind stark im Spiel. Ballkurven der schrägen Art sollte man tunlichst vermeiden. Spielt man aber zu kurz, gibt es keine Chance, das green anzuspielen; die Bäume verriegeln Blick und Schlag. Mag der kurze Drive auch gut gewesen sein, so scheint es doch, als läge man im Wald. Es gibt kein Entrinnen, der Hieb muß irgendwie über die Bäume.
Ein zu langer Drive bedeutet wiederum todsicher die Anwendung der Unspielbarkeitsregel. Und das green, wenn man zufällig die winzige Landezone erreicht hat? Nun ja, ich sagte es bereits, klein und slopey...


In dieser Art sind etliche Löcher angeordnet: Entweder verhindern Platzregeln das Überspielen von 90°- doglegs, so dass ein präzis getimtes Eisenspiel erwartet wird, oder es lauern nach 200 yards von der tee-box frontale Wasserhindernisse mit hohem Gebüsch auf alle Drives, die häufig in dieser Distanz schon in den Sinkflug übergehen, sich dann sofort in den Wipfeln verfangen und unauffindbar in den Morast eintauchen. Ungläubig nimmt der geneigte Spieler auch die unmittelbar an die Grüns flankierenden Ausgrenzen zur Kenntnis. Spätestens jetzt sollte man einen Gedanken ans Course-Management verschwenden.
Loch 10; Blick aufs green. [(c) Böhle-Holzapfel]

Aber ich will den Platz nicht schwieriger schreiben, als er ist. Denn natürlich gibt es auch die Löcher, wo der reisende Golfer es ordentlich krachen lassen kann. Manche Par-4-Löcher sind durchschnittlich 260 yards lang, verlaufen recht gerade, breit und abschüssig, und ich versuche immer, bei Rückenwind und hartem Fairway so nahe ans green zu kommen, dass nur noch ein chip reicht. Mit ein wenig roll und keinen Gedanken an die Potbunker kann das hin und wieder klappen. Sehr gut.

Was soll ich sagen? Irons required, sagte mir bei meinem ersten Besuch ein Mitglied verschmitzt und zwinkerte mit den Augen. Er hatte Recht. Ich liebe diesen Platz, weil er eben mit Eisen so gut zu bespielen ist. Die cleveren Hindernisse erfordern wirklich ein strategisches Spiel.

Nach der Runde kann ich nur das familiäre Clubhaus empfehlen. Der freundliche Empfang und die Zwanglosigkeit Greenfee-Spielern gegenüber sucht ihresgleichen und ist, gerade für Spieler, die beschämende Erfahrungen in so manchen deutschen Clubs gemacht haben mögen, mehr als wohltuend.
Golf ist in Irland eben Breitensport und das im besten Sinne.
Die 15 Euro Greenfee für den 18-Loch-Course des Slievenamon GC sind jedenfalls ein echtes Schnäppchen; bei meinen jährlichen Besuchen in Irland steht der Platz auf meiner persönlichen Hitliste der spielenswerten Anlagen ganz oben.


(c) Fred Böhle-Holzapfel
von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfplätze Golf in Irland Golf in England
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Samstag, 26. september 2009 6 26 /09 /2009 20:02

An der Westküste Irlands, inmitten der Region, wo Gälisch gesprochen und die englische Mundart nicht mehr allzu gern gehört, geschweige denn gesprochen wird, ragt An Daingean, die  Dingle Halbinsel, als westlichster Vorposten mit drohenden Gebirgszügen dunkel und mysteriös ca. 50 km weit in den Atlantik hinein.
Der reisende Golfer erreicht diese landschaftlich tatsächlich umwerfende Halbinsel über das Städtchen Tralee im County Kerry. Aber Achtung, schon in Tralee sind die Richtungsweiser zur Halbinsel als
»An Daingean«, also in gälischer Sprache, gekennzeichnet; die englische Version »Dingle« ist demonstrativ durchgestrichen. 

Auf dieser geschichtsträchtigen Halbinsel liegen zwei Golfplätze, beides sogenannte linkscourses, also Plätze, die direkt am Meer in die Dünenlandschaft eingearbeitet wurden:
Im westlichsten Teil befindet sich der berühmte Dingle GC; 18 Loch auf 6666 yards Länge. 20 km weiter östlich wartet dann mit dem Castlegregory GC ein absolutes 9-Loch-Dünen-Highlight auf den reisenden Golfer. Für ein faires Greenfee von 65 Euro (Dingle) und 20 Euro (Castlegregory) erhält man als Gegenwert feinste Küstenplatz-Cuisine: Sturmböen, Starkregenschauer, kniehohes Rough, Potbunker wie Meteoritenkrater und schließlich einen durch den Platz mäandernden, clever integrierten, kaum zu erahnenden  Bach, den die Einheimischen, sofern sie bereit sind, Englisch zu sprechen, »burn« nennen (so in Dingle). Mir ist es so vorgekommen, dass in diesem verdammten burn mehrere Magneten darin zu wetteifern schienen, möglichst viele meiner Bälle einzufangen.

(Blick über den Dingle-linkscourse mit burn;
cf. www.dinglelinks.com)


Das ist die eine Seite.

Zum anderen bin ich allerdings der Meinung, Linksgolf ist der ultimative Tester für die arme kontinentale Golferseele, die immer schön brav auf Parkland-Plätzen herumfuhrwerkt, sich über den -natürlich- völlig unnötigen kleinen Regenschauer, das völlig unnötige wehende Lüftchen und den völlig unnötigen Ballverlust beschwert. 

Gesetzt den Fall, dieser bemitleidenswerte Spieler erhält nun eines Tages die Chance seines Golferlebens und steht auf einem echten Linkscourse.

Was wird ihn an einem durchschnittlichen Tag erwarten?

Vorab sollte über ein wichtiges Detail völlige Klarheit bestehen: Die Wetter können binnen Minuten wechseln; mit Orkanböen und plötzlich hereinbrechendem Starkregen muß also immer gerechnet werden. Ok, was wird geschehen??

1. Mit großer Wahrscheinlichkeit knallt unserem armen kontinentalen Golfer schon am ersten tee heulender Sturm ins Gesicht und bläst ihn fast um. 

2. Dann wird unser Golfer beim tee-off möglicherweise das Gleichgewicht verlieren. 

3. Binnen kurzem wird er seinen Schirm verfluchen, weil dieser sich sogleich aus dem blöden Schirmhalter seines ungelenken Trolleys knatternd in die Höhe und Richtung Meer verabschiedet. 

4. Er wird auch seinen Driver verfluchen. Denn die engen Fairways und Orkanböen verabschieden reihenweise die zu hoch fliegenden Bälle ins tiefe Dünengras.
5. Spätestens nach 9 Löchern kann es vorkommen, dass unser kontinentaler Golfer gedemütigt ins Clubhaus schleicht, wo ihn der Clubpro nur kommentarlos angrinst, als unser Spieler kleinlaut neue Bälle zu kaufen begehrt.

6. Im Übrigen wird er das Platzshaping verfluchen. Das Fairway ist, bedingt durch frontale Dünenrücken, die überspielt werden müssen, häufig garnicht zu sehen. Am Ende einer Katastrophenrunde wird unser kontinentaler Parkland-Golfer also dahinterkommen, dass manchmal ein gutes Eisen 8 bei orkanartigem Rückenwind an einem schwer einsehbarem Par-5 tatsächlich keine blödsinnige Wahl sein muß. Dann ist es aber meist eh zu spät. 

7. Hin und wieder wird er entgeistert realisieren, dass der Driver sooo unnütz nun auch wieder nicht ist: Er kann helfen, bei frontalem Sturm das Grün eines 160 yards Par-3 anzugreifen. Das könnte mit etwas Glück und Gleichgewicht-Halten funktionieren. Ich habe es allerdings an Loch 5 in Castlegregory nicht geschafft und musste im kniehohen Dünengras eine Lektion in Demut erleiden.

8. Ach ja, und der extra mitgebrachte Schiebetrolley, den sich so viele "auswärtige" Spieler (immer noch) antun? (14 Schläger mitzunehmen gilt den meisten schließlich als heiligste Pflicht, oder...?!) Völlig unnütz. Der macht sich andauernd selbständig, nervt die Mitspieler, fällt um oder rollt in irgendwelche Potbunker, die z. T. nur über eine Leiter begehbar sind. Antoine, mein Mitspieler aus La France, geriet in Dingle darob in solche Wut, dass er nach den ersten neun Löchern den ganzen Trolleykram und etliche Schläger in sein Auto bugsierte und dann mit einer Handvoll Eisen auf einmal viel besseres Golf spielte.

(tee-box 11th. hole; www.dinglelinks.com)

Was ich mit all dem sagen will: 
Linksgolf erfordert, so glaube ich,  nach meinen bescheidenen Erfahrungswerten ein völlig anderes, ein gleichsam »reduziertes« Spielkonzept. Entfernungen, die man normalerweise mit seinen Schlägern verknüpft hat, werden irrelevant, weil der unbarmherzige Wind alle Maßstäbe buchstäblich durcheinanderwirbelt. Das sorgt für gehörige Irritationen in der Einschätzung von Längen.

Schläger (und ich spreche auch von langen Eisen), die heute zu Tage gemeinhin kaum noch im Fokus des normalen Parkland-Spielgeschehens stehen, weil es der Werbung leider! gelungen ist, sie den Golfern nach und nach madig zu machen, rücken nun ins Zentrum der Rundenstrategie.
Keine Frage, es ist ein Genuß, auf dem sandigen Untergrund eines Links mit Eisen zu spielen. Die Bälle lassen sich crisp treffen und der roll auf den Grüns ist spurtreu, auch beim unvermeidlichen Regen. Denn die natürlichen Drainage-Eigenschaften und der allgegenwärtige Wind sorgen auch für Fairways und Grüns mit grip.

Kein Vergleich mit unseren Plätzen.


Ja, und die Spieltaktik?

An Loch 12 des Dingle-Links ließen wir einen vierschrötigen alten Herrn durchspielen, der nur drei Eisen und Putter in einem Plastikbag aus den Sechzigern mitschleppte. »It's all about position, lads« war sein einziger Kommentar auf unsere Frage nach Spieltaktik bei Sturm und Starkregenschauer.

 

Ich komme zum Schluß. Arrangiert sich der kontinentale Golfer also mit den unvermeidlichen Gegebenheiten des Linksgolf, dann erwartet ihn ein wohl einmaliges Golf- und Naturerlebnis. Der Blick auf die im Hintergrund stets präsenten grün-kahlen Höhenzüge der Dingle-Halbinsel sind mindestens ebenso atemberaubend wie die Allgegenwart der brausenden Küste. Besonders Abschlag 6 in Castlegregory ist durch seine Lage auf einem Dünenkamm beeindruckend. Tief unterhalb der tee-box donnern die Wellen, es fliegen die Wolken, man selbst kämpft mit ruhigem Stand und rätselt, in welcher Richtung hinter den frontalen Dünen denn die enge Fairwaybahn verlaufen mag.


Es ist wohl besser, zum gewohnten score durchschnittlich jeweils 1-2 Schläge pro Loch mehr einzuplanen... vielleicht sogar noch etwas mehr.



(c) Fred Böhle-Holzapfel

von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfplätze Golf in Irland Golf in England
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Donnerstag, 17. september 2009 4 17 /09 /2009 12:48

Das County Tipperary im Süden Irlands beherbergt einige wirklich schöne Plätze. Nach meinen durchwachsenen Erfahrungen mit dem in der dortigen Gegend stark gehypten Ballykisteen GC wende ich mich heute dem eher bodenständigen Golfclub in Cahir zu.

Cahir ist ein reizendes Städtchen am Fluß Suir. Neben dem sehenswerten Cahir Castle aus dem 12. Jahrhundert und dem Swiss Cottage interessiert den reisenden Golfer vor allem der in unmittelbarer Nähe zu den gut erhaltenen Ruinen gelegene Golfplatz. Auf dem Parkarreal eines alten Anwesens errichteten Golfenthusiasten um 1960 zunächst einen 9-Loch-Course (die heutigen front 9), der dann im Laufe der 90er Jahre um weitere 9 Bahnen auf einen anständigen 18-Loch Platz mit 6370 yards Länge erweitert wurde.

Diese Platzentwicklung bemerkt unser reisender Golfer mit dem Übergang von den front 9 auf die back 9 sofort: Der course entwickelt sich schlagartig von einer beeindruckenden Parkland-Architektonik mit sehr altem Baumbestand und beinah nostalgisch wirkendem Ambiente hin zu einem deutlich weniger attraktiven "Autobahn"-Design: Die Fairways gehen schlicht geradeaus, und nur zwei Dinge verhindern die rasch um sich greifende Langeweile: Zum einen der starke Wind, der stets im Spiel ist, und die clevere Einbindung von schlecht auszurechnenden Wasserhindernissen in das course-shaping. Vor allem die Löcher 13 und 14 verlaufen direkt neben dem Fluß Suir, so dass es wenig ratsam ist, hier auf den Slice zu verfallen; der Ball ist definitiv weg.

Die Eintönigkeit der Bahnen 10-15 nehme ich allerdings gerne in Kauf, denn die front 9 sind dafür absolut sensationell. Die Optik des teilweise uralten Baumbestands ist wirklich überwältigend; zudem sind die weit ausladenden Äste echte Herausforderungen für einen ordentlichen Ballflug. Da aber liegt auch das Problem:

Mit meinem leichten fade wird es an manchen Löchern, bedingt durch die breiten Wipfel, immer sehr eng. Das bekam ich an den Bahnen 2 und 6 zu spüren, als ich mit den Ästen in Berührung geriet und schließlich, im Unterholz herumkratzend, noch ordentlich Meter machen mußte, um kein doublebogey zu kassieren. 

Das Loch 6 (PAR 5) ist ohnehin tückisch, da es in einer Linkskurve steil bergauf geht und das Fairway von dichtem Wald eingerahmt wird. Hier war es nur einem glücklich gepunchten Eisen 5 aus dem Wald und einem gelochten 10m-Putt zu danken, dass ich noch das bogey spielen konnte.


Bahn 7 ist ein anderes gefährliches Loch (PAR 4, 411m), an das ich nur ungute Erinnerungen hatte, denn die Bahn ist derart eng von Bäumen umsäumt, dass nur ein gerades Eisen den Ball in spielbare Lagen transportiert; außerdem fällt die Spielbahn auch noch nach rechts stark ab und endet im Rough-Nirwana. Da habe ich schon manches Mal drin gelegen und mußte übel heraushacken. Jetzt aber machte ich keine Kompromisse, ließ endlich den Driver stecken und legte den Ball mit einem langen Eisen Mitte Fairway ab. Ein weiteres langes Eisen "off the deck" brachte den Ball an den Grünrand, ein Chip, ein Putt.  So kann das gerne immer gehen, aber man weiß ja, wie das läuft...


Loch 8 ist, neben der 16. Bahn, ein echtes signature-hole, denn es geht schnurstracks über den River Suir. Das Tückische an dieser Bahn ist jedoch, dass der Fluß nicht das eigentliche Hindernis darstellt, sondern das vom Abschlag kaum sichtbare seitliche Wasserhindernis rechts in Höhe der Landezone. Der kleinste Slice bringt Verderben; schon ist der Ball auf Nimmerwiedersehen im Schilf verschwunden. Spätestens dann realisiert der Spieler, dass er einem Irrtum aufgesessen war, als er alle Aufmerksamkeit dem Fluß gewidmet hatte. Dieser kommt aber bei einem vernünftigen Schlag (carry 180 yards) tatsächlich nie wirklich ins Spiel. Nach meinem gelungenen Drive konnte ich aus dem dogleg mit einem Eisen 7-Sonntagsschlag neben die Fahne ablegen, aber den birdie-Putt nicht verwerten.


Loch 16 ist ein 80 yards kurzes PAR-3, das der geneigte Golfer sofort unterschätzt. Wieder muß über den Fluß (in dem übrigens sehr oft Fliegenfischer in Wathosen stehen, stellenweise genau im Flugbereich des Balles!) auf ein terrassiertes Grün geschlagen werden. Im Grunde, so denkt man, kein Problem. Aber hinter und neben dem sehr kleinen green lauern Schilf, extra kurzgestutzte Hecken und zwei Potbunker, in denen man kaum stehen kann: Alles Hindernisse, die von der tee-box tatsächlich bestenfalls nur zu erahnen sind. Allein die unterholzgesättigte Baumgruppe rechts vom Grün wird als einziges Hindernis bemerkt – ein Riesenfehler.

Ich kann hier nur raten, den Lob über den River Suir schnell zum Halten zu bringen, sonst ist es aus. Mein Mitspieler, selbst Clubmitglied, machte mich zwar auf die Tücken dieses Loches anekdotenreich aufmerksam, landete aber selbst so unglücklich im Potbunker, dass sein Explosionsschlag im Fluß landete und er Doppelpar notieren mußte.


Zurück im Clubhaus erwartet den reisenden Golfer eine ungemein freundliche und vor allem unprätentiös-lockere Atmosphäre, was auf den Inseln gemeinhin der Normalfall ist. Schnell ist man in Gespräche verwickelt, und der reisende Golfer findet sich dann mitunter urplötzlich als Teilnehmer in einem zünftigen Lochwettspiel bei Starkregen am nächsten Morgen wieder...


Der top sortierte Proshop unter Leitung von Club-Pro David Ryan bietet einen exquisiten Vor-Ort-Service an, wenn es um eine schnelle Schlägerreparatur geht.

Sehr empfehlenswert!! 


(c) Fred Böhle-Holzapfel

von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfplätze Golf in Irland Golf in England
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Freitag, 28. august 2009 5 28 /08 /2009 12:44

Die Info-Broschüre des Ballykisteen Golfclubs im County Tipperary teilt dem geneigten Leser Imposantes mit:

"This Des Smyth designed championship course is destined to become one of the most sought after golf courses in Ireland. Nestled in the heart of the Golden Vale, its clever design and suitability to all handicaps make it an ideal venue for any golf outing. Set in tree-scaped surroundings against a backdrop of the Galtee Mountains, the course is constructed to the highest of standards typified by the superb quality of the putting surfaces. Smyth himself puts forward the 15th as one of the signature holes at Ballykisteen - 'probably the most difficult in the country; 230 yards from the back elevated tee to a green surrounded by water on three sides and out of bounds on the left, nothing but a perfect golf shot will do.' This course provides a highly enjoyable and fair challenge in a perfect golfing ambience."

Nun, im Grunde wäre dem nichts mehr hinzuzufügen. Wenn der sportliche Golfer diesen Platz nicht kennt, würde er ihn nach dieser beeindruckenden Werbung wohl auf seine Irland-Wunschliste setzen. Doch gemach, gemach. Ich hatte den Ballykisteen-Course schon vor drei Jahren gespielt, zu einem Zeitpunkt, als das Clubhaus noch in einem Bauwagen beherbergt war. Von dem mondänen Hotel, das heute mit eleganter Optik den eher bodenständigen Golfer zunächst abschrecken mag, ragten damals nur die ersten Gerüste in den bleigrauen Sturmhimmel.

Tja, und nach der Runde war ich enttäuscht. Ich hatte nicht gut gespielt, ok. Dennoch: Mir erschienen die Fairways zumeist wie Landepisten für Großraumtransporter, und die PAR-3 – Löcher (mit einer Ausnahme) als sterbenslangweilig. Obwohl der Platz in unmittelbarer Nähe zu unserer Behausung liegt und wir regelmäßig in Irland weilen, habe ich trotzdem den course in der folgenden Zeit nicht wieder spielen wollen. Doch dieses Jahr sollte ein Ende der Abstinenz gemacht werden; ich mochte dem Platz eine zweite Chance geben.

Der erste Versuch ging gleich vollends baden. Im apokalyptischen Sturzregen gingen fairways, greens und wir buchstäblich unter. Nach 4 Bahnen war Schluß, absolut Schluß. Bäche auf den Fairways, eingesackte Bunkerränder und Seen auf den greens gaben unmissverständliche Signale zum Aufbruch. Im Pro-Shop gab man uns anstandslos Greenfee-Voucher.

Zwei Tage später klappte der zweite Versuch, dieses Mal sogar über ganze 18 Loch. Und mein Resümee, nach drei Jahren "Pause"?

Klar, ein langer course, der sich noch mehr zieht, wenn die Fairways wie jetzt vom tagelangen Regen noch sumpfig sind und daher faktisch nur carry-Längen zulassen.
Umso erstaunlicher aber die Qualität vor allem der greens, die trotz der äußerst widrigen Wetterumstände in tadellosem Zustand waren, spurtreu und trotz der Feuchtigkeit sehr schnell. Überall wuselten die greenkeeper mit erheblichem Materialeinsatz, und der Platz zeigte sich, angesichts der Umstände, in einer wirklich beeindruckenden Verfassung.

Trotz einer für meine Verhältnisse anständigen Runde bestätigte sich leider mein Eindruck, den ich schon vor drei Jahren gewonnen hatte:
Zu viele Bahnen geradeaus, zu wenig Abwechslung in der Platzarchitektonik, zu wenig Überraschungsmomente bei der Fairwaygestaltung. Ausdrücklich ausnehmen möchte ich die greens, die von Bächen, Tümpeln und Buschwerk clever umrahmt sind und mit bösen slopes Dreiputts geradezu heraufbeschwören. Ein signature-hole ist gewiß Bahn 7 mit seinem herrlichen Halbinsel-Grün und dem gemein ins Fairway ragenden Wasserhindernis', das man vom tee nicht einschätzen kann.

15th. Hole (Photo by: ballykisteengolfclub.com)


Loch 15, ein PAR-3, wird in der Werbung besonders hervorgehoben, und in der Tat verursacht der Blick hinunter auf das von Wasser geschützte green ein gewisses Magendrücken. 230 yards sind wahrhaftig kein Pappenstiel. In dem Moment, wenn der Ball die durch Bäume eingerahmte tee-box verlässt, wird er Opfer des andauernden Seitenwindes und gerät nicht selten in undurchdringliches Schilf, wenn er vom Grün herunterrollt…



 

Also: Pflegezustand super, aber zu wenige Bahnen mit "Charakter". Angesichts der direkten Top-Konkurrenz in unmittelbarer Umgebung (Dundrum GC, Tipperary GC) vielleicht ein bißchen zu mau.


 

(c) Fred Böhle-Holzapfel

von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfplätze Golf in Irland Golf in England
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Donnerstag, 11. dezember 2008 4 11 /12 /2008 20:09
Motto:
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito
(Vergil)



Im Herbst und Winter Golf zu spielen, ist ein Vergnügen, das ich mit wenigen teile. Mein Kumpel Benno ist so einer, der es scheinbar nicht erwarten kann, bis die ersten Spätherbststürme über den Platz fegen und leichter Nieselregen die Fairways allmählich in sumpfigen Morast zu verwandeln drohen. 
"Jetzt sitzen die ganzen Poser-Golfer zu Hause und überlegen, ob sie in den Weihnachtsferien doch noch nach Malle fliegen und sich in Viererflights im Fünfminutentakt über erschöpfte Plätze quälen sollen! Die sehen wir vor dem Frühjahr sowieso nicht wieder, also haben wir hier unsere Ruhe!" So reibt er sich jedes Jahr die Hände, bevor er trotz schönem Drive wieder einmal fassungslos feststellen muß, dass der Ballflug zu dieser Jahreszeit erneut zwanzig Meter zu kurz geraten ist. Kein roll, kein gnädiger bounce, nur brutales carry mit Schlammsteckschussgarantie. Ja Ja, auf Malle hätten wir jetzt einigermaßen reguläre Spielbedingungen. Ob ich aber tauschen würde, wenn ich könnte? 
Nein! 
Klar, Golfen in dieser Jahreszeit birgt auf den Plätzen jetzt hierzulande mannigfache Demütigungen: Benzinger in Serie, jede Menge Dreck und schwerfällige Schwünge in dicken Klamotten, die mitunter Raumanzügen ähneln. 
Aber da lachen wir nur drüber. Denn wir haben frühmorgens den Platz für uns. Können den einen oder anderen Extra-Ball spielen und trainieren, Schläger ausprobieren, die während der vergangenen Saison im Reservebag herumdösten und vergeblich auf ihren Einsatz warteten. Ich probiere auch gerne Schläge aus, an die ich mich sommers nur zögerlich gewagt habe (mein Hit im Augenblick: der hohe Chip mit offenem Blatt). Allerdings lasse ich meine derzeitigen Favoriten, die GooseNecks, zu Hause. Im Winter hole ich mein erstes und mittlerweile ausrangiertes Set aus dem Keller (alte Spalding Musclebacks) und traktiere damit Ball und Boden. Und immer wieder verspreche ich mir, mit den alten Eisen eine Saison zu bestreiten.
Ich genieße die morgendliche Kühle und den Nebel über dem Fairway. Ich genieße es, mit noch weniger Schlägern unterwegs zu sein, als ich sonst schon gewillt bin mitzunehmen. Ich genieße es, auf dem Platz die Handvoll verbliebenen Golfer zu grüßen, die gleichen Sinnes sind. Benno sagt immer, das seien echte Golfer und keine Adabei-Poser, deren Saisonhöhepunkte aus hochsommerlichen Siebenstundenturnieren des Charity-Circuit unter Beteiligung der üblichen D-Promis bestehen. 
Recht hat er. 
Nein, die äußeren Bedingungen mögen vielleicht für manche unangenehm sein, aber das juckt mich nicht. 
Viel schlimmer sind die witterungsbedingt unsicheren Startzeiten. Das Zittern geht schon Mitte der Woche los: Hält das Wetter am Wochenende? Ist der Platz offen? Sind die Grüns überhaupt bespielbar? 
Das sind im Grunde die existentiellen Fragen, die uns beschäftigen, und erst nach Weihnachten wird entschieden, zu welcher Insel wir zu Karneval jetten.

Ach so, nein nein, keine Sorge! Mallorca ist nicht gemeint.

Aber das ist ja ein anderer Blog... 




(c) Fred Böhle-Holzapfel


von GooseNeck - veröffentlicht in: Golf Golfschläger Golfplätze
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